Lieber Markus, herzlich willkommen im Gründungsbüro! Was hat dich an der Arbeit im Gründungsbüro besonders gereizt?
Ich habe in den letzten Jahren viel im Schnittfeld zwischen Forschung, Praxis und Unternehmertum gearbeitet – und genau dort sehe ich auch die Stärke des Gründungsbüros. Mich reizt, Menschen mit guten Ideen dabei zu unterstützen, ihr Potenzial zu entfalten und Wege zu finden, wie Wissen tatsächlich Wirkung entfaltet. Besonders spannend finde ich, dass es hier um den Transfer geht: von der Idee zur Initiative, vom Experiment zur Anwendung. Diese Übergänge faszinieren mich auch in meiner Tätigkeit als Transfer Scout am Exzellenzcluster CIBSS – Centre for Integrative Biological Signalling Studies. Dort arbeite ich daran, die Grundlagenforschung im Bereich der biologischen Signalprozesse in neue Anwendungen und Ansätze zu übersetzen.
Du bringst einen Hintergrund aus der Wirtschaft und Forschung mit. Woran hast du zuletzt gearbeitet?
Mein Schwerpunkt lag auf Klimaanpassung und Maßnahmen gegen den Klimawandel, insbesondere auf der Nutzung von Pflanzenkohle als dauerhafte Kohlenstoffsenke. Mich begeistert, wie sich in diesem Thema Forschung und Praxis so direkt überschneiden: Lokal entstehen Lösungen, die global Wirkung zeigen können. Zuvor hatte ich zur globalen Sanitärversorgung gearbeitet, wobei mich die Frage leitete, wie sich ökologische Verantwortung und gesellschaftliche Realität verbinden lassen. In dieser Zeit habe ich auch Goldeimer mitgegründet und die nötigen Finanzmittel für den Aufbau gewonnen. Für mich ist die Faszination der angewandten Forschung genau dieser Übergang: wenn Erkenntnisse aus dem Labor eines Tages auf dem Maisacker landen oder als medizinische Anwendung neue Wege eröffnen.
Das klingt nach einer Mischung aus wissenschaftlicher Neugier und praktischer Wirkung. Wie kam es, dass du dich mit Wertschöpfungsketten beschäftigt hast?
Bei meiner Tätigkeit bei der Nichtregierungsorganisation Solidaridad bin ich tief in globale Lieferketten eingestiegen, vor allem im Kakao- und Kaffeesektor. Dort trifft Nachhaltigkeit auf Marktmechanismen in sehr direkter Weise. Ich habe gelernt, wie unterschiedlich die Perspektiven von Unternehmen, NGOs, Behörden und lokalen ProduzentInnen sind und wie wichtig es ist, sie in einen gemeinsamen Dialog zu bringen. Diese Fähigkeit, verschiedene Sichtweisen zusammenzuführen, hat sich für mich als zentrale Kompetenz erwiesen, auch für die Arbeit im Innovations- und Gründungskontext.
Was nimmst du aus dieser Erfahrung mit in deine neue Arbeit an der Universität Freiburg?
Ich habe gelernt, dass große Veränderungen klein anfangen und das sogar relativ häufig mit einer einzigen Person, die etwas Neues wagt. Im Gründungsbüro sehe ich meine Aufgabe darin, solche Menschen zu begleiten und dabei Türen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zu öffnen. Wer gründet, braucht nicht nur Mut, sondern auch ein gutes Netzwerk und enge Verbündete. Ich hoffe, genau das hier mitgestalten zu können. Dabei hilft mir die gebündelte Expertise in CIBSS ungemein. Ich arbeite dort Seite an Seite mit Spitzenforschenden im Bereich verschiedener komplexer biologischer Systeme. Genau aus diesem interdisziplinären Umfeld gehen die Innovationen hervor, die das Potenzial haben, ganze Industrien nachhaltig zu verändern.
Die Forschenden des Exzellenzclusters CIBSS – Centre for Integrative Biological Signalling Studies an der Universität Freiburg widmen sich dem Verständnis der Sprache, die das multizelluläre Leben in Mensch, Tier und Pflanze bestimmt. Wie koordinieren die Billionen von Zellen in unserem Körper ihre Aufgaben, um unser Leben und unsere Gesundheit zu unterstützen? Dieses Wunderwerk der Kommunikation erfordert ständige Signale sowohl innerhalb als auch zwischen den Zellen.
